St. Laurentiuskirche, Grellingen

St. Laurentiuskirche, GrellingenDie St. Laurentiuskirche (Baujahr 1835) ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Gemeinde Grellingen.

Vorgängerbauten
Bis ins 19. Jh. besass Grellingen keine eigene Kirche, sondern nur eine Kapelle. Die Kirchgemeinde gehörte zur Pfarrei Pfeffingen, während der napoleonischen Zeit vorübergehend zu Nenzlingen und ab 1815 wiederum zu Pfeffingen. Eine Kapelle in Grellingen wird um 1703 erstmals erwähnt. Um 1771 gab die wachsende Gemeinde dem Reinacher Steinhauermeister Hans Georg Anderauer den Bau einer grösseren Kapelle in Auftrag. 1772 wurde sie fertiggestellt und dem heiligen Laurentius geweiht, dem 258 n. Chr. als Märtyrer gestorbenen Diakon von Rom und Schutzpatron von Grellingen. Diese alte Laurentiuskapelle kam 1835 ausser Gebrauch, wurde ab 1840 als Remise und Lagerschuppen umgenutzt und 1954 abgerissen.

Pfarrkirche
Am 5. Dezember 1833 beschloss die Gemeindeversammlung auf Vorschlag von 31 Bürgern den Bau einer eigenen Kirche. Das Vorhaben wurde bis 1835 in die Tat umgesetzt – zu einem beträchtlichen Teil durch den freiwilligen und unentgeltlichen Arbeitseinsatz zahlreicher Grellinger Familien. Nur die gröberen und die spezialisierten Bauarbeiten wurden von Fachleuten ausgeführt. Kurz nach der Aufrichte, am 10. August 1935 (Fest des heiligen Laurentius), las Pfarrer Fähndrich von Pfeffingen auf einem provisorischen Altar die erste Messe. Im Jahr darauf trat Fridolin Spaar sein Doppelamt als Pfarrvikar und Schulmeister in Grellingen an. 1842 löste sich Grellingen finanziell von Pfeffingen und 1845 wurde es durch ein Dekret des Berner Grossen Rates zur selbstständigen Pfarrgemeinde. Spaar wurde jetzt als Pfarrer eingesetzt. Die neue St. Laurentiuskirche wurde am 16. Oktober 1864 von Bischof Eugen Lachat konsekriert.

Kulturkampf
Zur Zeit des Kulturkampfs erhielt die Pfarrkirche vorübergehend einen altkatholischen Pfarrer. 1874 musste der römisch-katholische Konrad Moser sein Amt dem von der Berner Regierung eingesetzten Jost Bühlmann abtreten. Dieser war den römisch-katholischen Gläubigen jedoch freundlich gesinnt und auch die Gottesdienste der reformierten Gemeinden Grellingen und Delsberg-Laufen, die ab 1878 in der Laurentiuskirche Gastrecht genossen, wurden friedlich geduldet. Am 1. Februar 1880 trat Pfarrer Bühlmann zurück und am 9. Mai 1880 beschloss die Gemeindeversammlung, wieder einen römisch-katholischen Pfarrer einzusetzen.
Unter den beiden folgenden Pfarrern Friedrich Bauer (1880-1898) und Josef Käfer (1898-1901) wurde die Kirche umfassend renoviert und erweitert, ein neuer Friedhof angelegt und ein neues Glockengeläut angeschafft. An Fronleichnam 1900 führte Pfarrer Käfer erstmals seit dem Kulturkampf wieder eine Prozession durch, obwohl dies im Kanton Bern damals verboten war. Die Sache erregte in der ganzen Schweiz Aufsehen und gelangte bis vor Bundesgericht, das die Kirchgemeinde zu einer symbolischen Busse von CHF 5.- verurteilte.

Kiki Lutz, 12/11/2012
Letzte Aktualisierung: 1/10/2015

Bibliografie

Patrik Birrer, «Die Statuen der St. Laurentiuskirche», in Heimatkunde Grellingen, Grellingen 1999, S. 177-178
Franz Kräuliger, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Grellingen, Grellingen 1936
Paul Lachat, «Pfeffingen und seine Tochtergemeinden», Monatsblätter Mariastein Sept./ Okt. 1965, S. 45-52
J. Emil Nünlist und A. Membrez, Katholische Kirchen des Bistums Basel. Kanton Bern, Olten 1938, S. 45-46
Alice Wettstein, «Die katholische Pfarrei Grellingen», in Heimatkunde Grellingen, Grellingen 1999, S. 194-198
Alice Wettstein und Hans Wettstein, 150 Jahre St.-Laurentiuskirche Grellingen. 1936-1986 Pfarreichronik der letzten 50 Jahre, Grellingen 1986

Bildnachweis

Die St. Laurentiuskirche in Grellingen. Foto: Red. DIJU.