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Lachat (Mgr), Aimable-Jean-Claude-Eugène (1819-1886)

Pfarrer von Grandfontaine (1850), Pfarrdekan von Delsberg (1855), Bischof von Basel (1863), erster apostolischer Administrator des Tessins (1885-1886).
Bürger von Schelten (Pfarrei Mervelier), geboren in Montavon (Gemeinde Réclère) am 14. Oktober 1819 und gestorben in Balerna am 1. November 1886. Sohn des François, Landwirt, und der Anne-Marie geb. Walser.
Rhetorikstudium in Besançon, 1836-1842 Studium der Philosophie und Theologie bei den Missionaren vom Kostbaren Blut in Albano Laziale bei Rom unter der Leitung seines älteren Bruders Jean-François. Nach seiner Priesterweihe am 24. September 1842 predigte er als Missionar in Italien. Wallfahrtspriester des Wallfahrtsortes Unserer Lieben Frau zu den Drei 'hren bei Colmar (1844), anschliessend übernahm er die erwähnten 'mter in Grandfontaine und Delsberg.
Am 25. Februar 1863 wurde er zum Bischof von Basel gewählt und am 30. November desselben Jahres erfolgte die Konsekration durch Mgr Raess, Bischof von Strassburg, assistiert von Mgr Greith (St.-Gallen) und Mgr de Preux (Sitten). Am 29. Januar 1873 wurde er durch die Mehrheit der Diözesenstände (ausser Luzern und Zug) abgesetzt, aufgrund seiner Treue zu den Beschlüssen des 1. Vatikanischen Konzils (1869-1870) und deren Verbreitung in seiner Diözese. Die hauptsächlichen Differenzen zwischen dem Bischof und den Diözeseständen bezogen sich auf folgende Punkte: das Priesterseminar und die dort gelehrte Moraltheologie, die Abschaffung von arbeitsfreien Feiertagen, der Diözesen-Katechismus, die Lehrtätigkeit der Nonnen, die Verbreitung der Enzyklika Quanta Cura und die päpstliche Unfehlbarkeit. Am 16. April wurde er von der Solothurner Polizei aus dem Bischofssitz vertrieben. Der verfolgte Bischof suchte Unterschlupf in Altishofen und danach in Luzern, von wo aus er die Geschäfte seiner Diözese zehn Jahre lang weiter führte. 1878 eröffnete er ein neues Seminar in Luzern, nachdem dasjenige in Solothurn durch die Diözesenstände geschlossen worden war, und führte es 1883 in einen eigens dafür errichteten Neubau über.
Die Verhandlungen von 1883-1884 zwischen dem Bundesrat und dem Heiligen Stuhl führten zu einer Lösung in diesem Konflikt. Für das Tessin wurde eine apostolische Administration in Lugano eingerichtet, deren Führung L. übertragen wurde. Am 1. August 1885 erfolgte seine offizielle Einsetzung als 1. apostolischer Administrator des Tessins in Bellinzona. Im selben Jahr eröffnete er ein Seminar in Lugano. Er unterstützte im Allgemeinen die katholischen Aktivitäten in seinem Umfeld; ein früher Tod unterbrach jedoch seine weitere Tätigkeit schon ein Jahr nach seinem Neubeginn im Tessin.

Emma Chatelain, 16/09/2005
Übersetzung: Kiki Lutz, 13/12/2010

Bibliografie

Eugène Folletête, « Rauracia sacra », in Actes SJE, 36, 1931, S. 171-173'

Victor Conzemius, « Eugène Lachat », in Historisches Lexikon der Schweiz [Online-Version HLS], 7.3.2007