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Société jurassienne d'Emulation SJE

Die Société jurassienne d'Emulation SJE (= in etwa: Jurassische Gesellschaft für Wissensbestreben) wurde 1847 von dreizehn Intellektuellen aus dem Jura auf Initiative von Xavier Stockmar gegründet. Die Gründungsversammlung tagte am 11. Februar 1847 im Hôtel de l'Ours (heute Hôtel des Halles) in Pruntrut. Das Ziel der SJE wurde damals so formuliert: «das Studium und die Kultur der Literatur, der Wissenschaften und der Künste im Jura zu fördern und zu verbreiten» (ASJE, 1947, S. 95, 'bersetzung: Red. DIJU). Erster Präsident der SJE war Jules Thurmann, erster Vize-Präsident Alexandre Daguet und erster Sekretär Xavier Kohler.
Ihre ersten Aktivitäten bestanden in äusserst detaillierten Konferenzberichten, die in L'Helvétie und der Revue Suisse erschienen.
Mit der weiteren Entwicklung und dem Wachstum der SJE wurden neue Sektionen gegründet und Verbindungen zu anderen schweizerischen Gesellschaften geknüpft. 1849 erschien der erste Coup-d'oeil sur les travaux de la Société jurassienne d'Emulation (= Rückblick auf die Arbeiten der Société jurassienne d'Emulation), der 1857 von den jährlich erscheinenden Actes de la Société jurassienne d'Emulation (Actes) abgelöst wurde. Von 1876 bis 1878 gab es Versuche zur Etablierung einer monatlichen Zeitschrift, der Emulation jurassienne.
Ab den 1920er Jahren, und insbesondere unter der Leitung von Präsident Gustave Amweg, entwickelte die SJE ein besonderes Interesse für Malerei und Skulptur, das sich in Artikeln in den Actes sowie in Patronaten für Ausstellungen niederschlug.
Ein weiterer Weg zur Unterstützung der Kreativität in Kunst und Wissenschaft bot sich in der Einrichtung von regelmässig stattfindenden Preisverleihungen: Ein Literaturpreis (seit 1927), ein Preis für Geschichtsforschung (seit 1969), der Jules Thurmann-Preis für Wissenschaften (seit 1956), der Jugendpreis Emulation-Jeunesse (seit 1988).
Neben den Actes gab die SJE immer auch die Buchreihe der Editions heraus.
1947 zählte die SJE ungefähr 1800 Mitglieder, aufgeteilt in 14 Sektionen. Die Mitglieder stammten mehrheitlich aus den intellektuellen, gesellschaftlichen und politischen Elite-Kreisen des Berner Juras. Das Zentralkomitee bestand aus einem Büro und neun Mitgliedern der Sektion Pruntrut - gemäss einer in den Statuten verankerten Tradition. Bei der Revision der Statuten von 1961 wurde diese Tradition aufgehoben. Danach blieben nur noch die Posten des Präsidenten, des Generalsekretariats (anstelle des früheren Zentralsekretariats) und des/der Bibliothekars/-in fest in Händen der Pruntruter Sektion; doch diese hatte die Mehrheit unter den neun (ab 1976: elf) Mitgliedern des Leitungskomitees eingebüsst. 2002 wurde mit Pierre Lachat aus der Sektion Delsberg zum ersten Mal ein Präsident gewählt, der nicht aus Pruntrut stammte. Seine Wahl erforderte eine Statutenänderung.
Seit 1961 haben neben natürlichen Personen auch jurassische Vereine mit einem Vereinszweck im Kulturbereich die Möglichkeit, Mitglieder zu werden. Ausserdem wurde ein Ratsgremium gegründet, bestehend aus dem Leitungskomitee und den Präsidenten/-innen der Sektionen, der juristischen Mitglieder und der permanenten Kommissionen sowie seit 1976 den Verantwortlichen der «cercles d'études» (=Forschungsgruppen).
Ab 1970 ermöglicht die Schaffung der «cercles d'études» der SJE eine Wiederbelebung des Kontaktes zur Welt der Wissenschaft. 2006 gab es sechs davon: der cercle d'études historiques (= Forschungsgruppe Geschichte), seit 1970; der cercle d'études scientifiques (= Forschungsgruppe Wissenschaft) seit 1971; der cercle d'archéologie (= Forschungsgruppe Archäologie) seit 1990; der cercle de mathématiques et de physique (= Forschungsgruppe Mathematik und Physik) seit 1997; der cercle de patois (= Forschungsgruppe Dialekt) seit 2001; der cercle littéraire (= Literaturzirkel) seit 2005.
Erst 1981 wurde als erste Frau Anne-Marie Steullet aus Moutier ins Leitungskomitee aufgenommen. Und es dauerte nochmals 11 Jahre bis 1992 Marcelle Roulet aus Saint-Imier folgte.
2006 war die SJE immer noch sehr aktiv und zählte 2000 Mitglieder aus dem ganzen Jura, der welschen und der deutschsprachigen Schweiz. 2008 wurde sie mit dem Preis der Interjurassischen Versammlung IJV ausgezeichnet.
Die SJE hat sich immer im Zentrum des kulturellen Lebens im Jura positioniert. Sie unterhält aus diesem Grund enge Verbindungen mit anderen Verbänden wie der IJV oder Pro Jura. Sie spielte auch eine Rolle bei der Entstehung des Institut jurassien des sciences, des lettres et des arts im Jahr 1950. Das Institut wurde auf Antrieb des SJE-Mitglieds Marcel Joray eingerichtet. Ein Jahr zuvor hatte die Ankündigung dieses Projekts grossen Wirbel innerhalb der SJE ausgelöst, die sich auf dem Feld des jurassischen Kulturlebens plötzlich konkurrenziert sah, wo sie sich doch bisher allein als federführend erachtete. Erst Ende der 1950er Jahre wurden die Beziehungen zwischen dem Institut und der SJE herzlicher und die beiden Institutionen fingen an, sich zu ergänzen. Das im Frühjahr 1954 lancierte Projekt der Volkshochschule wurde von der SJE dagegen von Anfang an begrüsst.
Die Jurafrage wurde auch für die SJE zu einer wichtigen Prüfung. Zu Beginn des Jahrhunderts beteiligte sich die SJE an der ersten separatistischen Bewegung, indem sie die Rückführung des Archivs des ehemaligen Fürstbistums Basel nach Pruntrut forderte. 1947, als die SJE ihr hundertjähriges Jubiläum feierte, schlug die Moeckli-Affäre ein. In dieser Situation wurde es für die SJE zwingend, in der Jurafrage Farbe zu bekennen. Sollte sie Partei ergreifen und dadurch ihre Einigkeit aufs Spiel setzen? Konnte sie es sich andererseits leisten, in einer für das jurassische Leben und die jurassische Kultur so zentralen Frage abseits zu stehen? Die Spaltung zwischen Separatisten und Antiseparatisten wurde auch in der SJE spürbar, am stärksten in der Sektion Erguël. Der Sektionspräsident und Pfarrer Alfred Rufer stellte sich energisch gegen die Linie des Zentralkomitees und forderte die absolute politische Enthaltsamkeit der SJE. Die Veröffentlichung des Berichts des Komitees von Moutier Ende 1951 machte die Angelegenheit noch komplizierter. Da die SJE stark an der Erstellung des Berichts beteiligt gewesen war, musste sie sich nun auch zu den Schlussfolgerungen äussern. Zu den Personen mit antiseparatistischer Einstellung in der SJE gehörten Alfred Ribeaud, Vizepräsident des Komitees von Moutier, Ali Rebetez, Präsident der SJE und Paul Christe, Anwalt in Pruntrut. Auf der anderen Seite standen Jean Gressot und Roland Béguelin. Im September 1952 beschloss die SJE gegen die Minderheit der Sektionen Biel, Bern, Erguël und Tramlan den Rückzug aus dem Komitee von Moutier und beschleunigte so die Abspaltung vom 13. November 1952. Bei der Abstimmung von 1974 empfahl die SJE Stimmabgabe für die Kantonstrennung, um die Einheit des Juras zu wahren. Da diese trotz allem ab dem 16. März 1975 auseinander brach, bot sich die SJE als Mittlerin zwischen dem Nord- und dem Südjura an und unterstrich energisch die kulturelle Einheit des jurassischen Volkes. Dies wurde anlässlich der Revision von 1976 auch in die Statuten eingeschrieben.

Emma Chatelain, 3/11/2006
Übersetzung: Kiki Lutz, 30/08/2010
Letzte Aktualisierung: 21/06/2011

Bibliografie

Alfred Ribeaud, « Les cent ans de l'Emulation », in ASJE, 1947, S. 93-155
« Les fondateurs », in ASJE 1947, S. 159-205
François Kohler et Claude Hauser, « L'Emulation dans quelques unes de ses oeuvres (1947-1997) », in ASJE, 1997, S. 13-63
Jean-René Quenet, « Société jurassienne d'Emulation », in Le canton du Jura de A à Z, 1991, S. 191
François Noirjean, « Société jurassienne d'Emulation », in Dictionnaire historique de la Suisse [Online-Version], Stand vom 20.04.2010

Link: http://www.sje.ch/