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Andlau, Konrad Karl Friedrich von (von Birseck, 1766-1839)

Getauft am 23.12.1766 in Arlesheim. Gestorben am 25.10.1839 in Freiburg i.Br. Sohn von Franz Carl von Andlau und Balbina von Staal. Elf Geschwister, darunter Simon Johann Baptist und Philipp Hartmann Maria von Andlau sowie Eleonora von Billieux. A. heiratete am 26.11.1798 Maria Sophia, Freiin von Schakmin. Zwei Söhne und zwei Töchter. Katholisch.
1815 Ehrenbürger von Pruntrut und Arlesheim. 1825 Ehrenbürger von Freiburg i. Br.
In seiner Jugend diente A. dem Fürstbischof als Page. 1783 Ernennung zum Kammerjunker des Fürstbischofs. Nach dem Rechtsstudium in Würzburg wurde er 1788 Hofratsassessor in Pruntrut. In der Ständeversammlung des Fürstbistums Basel vertrat er 1791 den Adel. 1792 floh er als designierter Obervogt des Birsecks im Gefolge des Fürstbischofs nach Biel, 1793 nach Olten und 1797 nach Freiburg i.Br. Hier wurde er um 1800/1801 vorderösterreichischer Regierungsrat. 1803 Administrator des Breisgaus und der Ortenau, Regierungsvizepräsident sowie Präsident des Appellationsgerichts und des Kriminalobergerichts. Nach dem Übergang an das Grossherzogtum Baden (1806) Regierungspräsident in Freiburg i.Br. und 1807 badischer Hofrichter. 1809 und 1810 vertrat A. als ausserordentlicher Gesandter das Grossherzogtum in Paris und wohnte auch der zivilen Trauung der Kaisers Napoleon mit Erzherzogin Marie-Louise bei. 1810 bis 1813 war er badischer Innenminister. Nach der Niederlegung dieses Amtes arbeitete er knapp ein Jahr lang wieder als Hofrichter. Im Dezember 1813 und Anfang 1814 beherbergte A. während mehrerer Wochen den russischen Zaren Alexander I. in Freiburg i. Br. Auf Betreiben des Fürsten von Metternich, des Sohns seiner Cousine, ernannte ihn im Januar 1814 der österreichische Kaiser Franz I. zum alliierten Generalgouverneur der Freigrafschaft Burgund, des Departements Vogesen und des sogenannten Fürstentums Pruntrut (= des ehemaligen Fürstbistums Basel) mit Sitz in Vesoul (F). Nach dem Frieden von Paris (Mai 1814) beschränkte sich das Generalgouvernement auf das Fürstentum Pruntrut (neuer Regierungssitz war Arlesheim). A.‘s Verwaltung war schwierig aufgrund der verschiedenen lokalen wie internationalen politischen Partikularinteressen, die das Schicksal des Fürstentums Pruntrut äusserst ungewiss machten, der in dieser unsicheren Situation aufkommenden Gerüchte, die in der Bevölkerung Angst und Unruhe auslösten, sowie der dem Land auferlegten Requisitionen. Im August 1814 entwarf A. die erste Verfassung für den Jura. Im Herbst 1814 sandte er Joseph Wilhelm von Neveu, Melchior Delfils sowie seinen Schwager Ursanne Conrad Joseph von Billieux als Delegierte des ehemaligen Fürstbistums an den Wiener Kongress, wo diese drei in A.‘s Auftrag (erfolglos) versuchten, den Anschluss des Fürstentums Pruntrut an die Schweiz als eigenen Kanton unter fürstbischöflicher Herrschaft zu erreichen und sich damit in Gegensatz zu den Alliierten, zur eidgenössischen Tagsatzung und zum Kanton Bern setzten. Der Wiener Kongress entschied, das ehemalige Fürstbistum Basel zwar der Schweiz anzugliedern, aber nicht als selbständigen Kanton, wie es A. sowie die Mehrheit der Bevölkerung gewünscht hatten, sondern aufgeteilt auf mehrere Kantone (insbesondere Bern und Basel). Am 23.8.1815 übergab A. das Fürstentum Pruntrut dem eidgenössischen Kommissär Hans Conrad Escher. Seine Aufgabe als Generalgouverneur war damit beendet. 1815 kehrte A. nach Freiburg i. Br. zurück; von 1815 bis 1817 war er mit der Schuldenliquidation zwischen den Alliierten und der Schweiz beschäftigt, und von 1817 bis 1833 (nach einigen wohl eher unzuverlässigen Quellen sogar bis 1837) arbeitete er wieder als badischer Hofrichter.
Zum Familienbesitz im seit 1793 französischen Birseck (ab 1815 zum Kanton Basel gehörend) erwarb A. von 1802 bis zu seinem Tode 1839 weitere Güter (u. a. Schlossruine Birseck, 1808). Zusammen mit seinem Onkel, Domherr Johann Heinrich Hermann von Ligerz, richtete er ab 1811 den «Eremitage» genannten Englischen Garten in Arlesheim wieder her (Wiedereröffnung 1812). Einen ähnlichen, aber kleineren Garten hatte er schon ab etwa 1807 in der Umgebung seines Schlosses in Hugstetten bei Freiburg i. Br. anlegen lassen.

Vanja Hug, 21/06/2011
Übersetzung: Vanja Hug, 20/07/2011
Letzte Aktualisierung: 23/08/2011

Archivbestände

Staatsarchiv Freiburg i. Br., Depositum von Mentzingen, Signatur U 100/1, Nr. 556, 631, 640, 679, 858, 872, 874, 879, 883, 905

Bibliografie

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Marco Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792 - 1815). [...], Freiburg i. Ue., 1982, S. 155-172, 177, 183-186, 192, 235-236, 237
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