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Péquignat, Pierre (1669 oder 1677-1740)

Bürger von Courgenay. Geboren am 5. April 1669 oder am 20. Dezember 1677 in Courgenay (die unterschiedlichen Altersangaben gegen Ende seines Lebens erlauben keine eindeutige Zuordnung zu einem der beiden «möglichen» Pierre Péquignats in den Pfarreiakten). Gestorben am 31. Oktober 1740 in Pruntrut. Konfession: röm.-kath. Sohn des Pierre und der Marguerite Vuillaume. Heirat: am 27. Juli 1700 mit Marie Madeleine Dermineur, Tochter des Nicolas.
Als gut situierter Landwirt stand P. an der Spitze der sog. «Commis», die sich 1730-1740 während der Landestroublen in der Ajoie gegen die Reformen der absolutistischen Macht auflehnten.
Im April 1740 hatte sich P. in der Hoffnung auf Unterstützung durch die Gnädigen Herren nach Bern begeben. Am 30. April wurde er auf der Rückreise in Bellelay verhaftet und im Schloss in Pruntrut gefangen gesetzt. Er wurde einem Verhör mit 905 Fragen unterzogen, teilweise unter Androhung der Folter. Die Anklage lautete auf Aufruhr und das speziell für diesen Prozess zusammengestellte Gericht (unter Staatsanwalt Claude Modeste Humbert) verurteilte ihn am 27. Oktober 1740 zum Tode. Das Urteil sollte ein Exempel statuieren und der Fürstbischof Jakob Sigismund von Reinach liess keine Gnade walten. Vier Tage später wurde P. auf dem Rathausplatz in Pruntrut enthauptet. Sein Kopf wurde an der Richtstätte aufgespiesst und die Glieder der gevierteilten Leiche an den Toren der vier Hauptorte der Ajoie (Alle, Coeuve, Bure und Chevenez) zur Schau gestellt. P.s Haus und Gut wurden verkauft, um die Gerichtskosten zu begleichen. Die eingeschüchterte Bevölkerung unterzeichnete daraufhin die Klauseln der Unterwerfung.
Die Legende um P. entstand während der Regeneration und in der Bewegung des Liberalismus. 1833 dichtete Jules Thurmann das französische Lied «Les Pétignats» zu einer Melodie von Auguste-Ferdinand Feusier d. Ä. 1854 schrieb sein Burder, Ferdinand Feusier d. J., ein weinseliges Lied auf Patois. Zwei Jahrzehnte später stilisierte Auguste Quiquerez P. zu einem Märtyrer der vom despotischen Fürsten unterdrückten Freiheit. Das Volkstheater (ein P. gewidmetes Stück von Pierre César, das ab 1880 aufgeführt und im Jahr darauf veröffentlicht wurde), Almanache, Bücher und Gesänge hielten den Mythos weiter am Leben. Am 19. Juli 1914 wurde in Courgenay ein P.-Denkmal des Bildhauers Joseph Kaiser aus Delsberg eingeweiht. Zahlreiche Ortschaften im Jura haben Strassen nach P. benannt. Die Verwendung dieser Figur in der Jurafrage wäre eine vertiefte Studie wert.

Damien Bregnard, 18/09/2007
Übersetzung: Kiki Lutz, 20/09/2013

Bibliografie

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