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Indiennemanufaktur Biel

Das Handwerk der Indienne-Herstellung wurde ursprünglich von den Hugenotten in die Schweiz gebracht und erlebte im 18. Jh. einen bedeutenden Aufschwung.
1747 errichteten die beiden namhaften Bieler Bürger, Benedikt Rother (1697-1761) und Alexander Jakob Wildermeth (1715-1786), ausserhalb der Stadt Biel im sog. Pasquard eine Indiennemanufaktur. Das Unternehmen war nicht von Erfolg gekrönt und mehrere Direktoren wechselten sich an der Spitze ab, bis zur Übernahme durch François Verdan im Jahr 1784. Verdan wurde bald schon von seinem Sohn, Henri Verdan (1770-1832), und seinen beiden Schwiegersöhnen, Johann Rudolf Neuhaus (1767-1846) und Jean-Pierre Huber (1772-1839) unterstützt. Die Firma nannte sich nun «Verdan & Cie» und ihre Besitzer gehörten bald zu den reichsten Industriellen im damaligen Departement Haut-Rhin. 1808 gehörten zwei Indiennemanufakturen in Biel und in Delsberg, drei Webereien und zwei Spinnereien zu diesem Unternehmen. Die Produktion belief sich damals auf 8700 Stoffballen à 16m Länge pro Jahr. Zusammen mit den Webereien und Spinnereien in der Stadt beschäftigte die I. 1200 Angestellte – fast die Hälfte der Bieler Bevölkerung.
Die Fabriken wurden mechanisiert und prosperierten weiter bis zum Ende der französischen Herrschaft im Jahr 1814. Dann verlor die I. ihre privilegierte Position im französischen Markt. Es wurde schwierig, im Schweizer Markt Fuss zu fassen, denn nun musste sie gegen die grosse Konkurrenz der englischen Indiennemanufakturen ankommen. Die I. erlebte deswegen einen stetigen Niedergang bis zu ihrer endgültigen Schliessung im Jahr 1842.

Emma Chatelain, 19/05/2009
Übersetzung: Kiki Lutz, 3/05/2018

Bibliografie

Bernard Romy, Le Meunier, l’horloger et l’électricien. Les usiniers de la Suze, 1750-1950, Intervalles, Nr. 69-70, Herbst 2004, S. 60-64