Français

Uhrenfabrik der Gemeinde Sonvilier

Zu Beginn der 1880er Jahre bewog der allgemeine Aufschwung der Uhrenindustrie im Vallon de Saint-Imier den Gemeinderat Eugène Prêtre aus Sonvilier dazu, seiner Gemeinde eine Beteiligung am Bau einer neuen Uhrenfabrik vorzuschlagen. Die Idee stiess zunächst auf Ablehnung, denn die Bevölkerung stand der Fabrikarbeit kritisch gegenüber. 1882 ging der Gemeinderat von Sonvilier dann doch auf den Vorschlag ein und stellte zur Finanzierung CHF 25'000.- in Aussicht. Im Gegenzug sollte sich der künftige Fabrikant verpflichten, in Sonvilier eine Fabrik zu gründen und zu betreiben. Zunächst fiel die Wahl auf einen Uhrmacher und Mechaniker namens Villemain aus dem Département du Doubs, doch dieser zog sich im letzten Moment zurück. Dann erklärte sich der Uhrenfabrikant Georges Huguenin aus La Chaux-de-Fonds (NE) bereit, in Sonvilier eine Fabrik zu betreiben, allerdings sollte nach seiner Vorstellung die Gemeinde alleinige Besitzerin bleiben. Der Vorschlag löste erneut eine grosse Debatte in der Bevölkerung aus, wurde aber schliesslich an der Gemeindeversammlung vom 3. Februar 1883 angenommen. Huguenin baute daraufhin die Fabrik und nahm sie im Juli 1884 in Betrieb. Schon im Jahr 1889 beschäftigte das Unternehmen 59 Angestellte und verbrauchte 16 PS Leistung.
Die Uhrenkrise der 1890er Jahre traf das Unternehmen hart. Huguenin schlug seinem Hauptgläubiger, Charles-Auguste Jequier, vor, die Firma teilweise zu übernehmen. Schlussendlich übernahm sein Vater, Jules-Samuel Jequier, die Fabrik. Er wandelte sie in eine Aktiengesellschaft um und ernannte seinen anderen Sohn, Jules-Henri, zum Direktor. Doch schon 1893 wollten die Jequiers, die selbst unter der Uhrenkrise zu leiden hatten, den Standort Sonvilier verlassen, um ihre Fabrik in Fleurier (NE) (Fleurier Watch Co SA) zu stärken. Der Vertrag mit der Gemeinde verpflichtete sie jedoch, bis mindestens 1898 am Ort zu bleiben. Zwischenzeitlich wurde Arnold Richard Betriebsleiter der Fabrik und stattete sie 1895 mit einem Elektromotor aus, der die Energie aus dem Wasserkraftwerk von La Goule bezog.
Es folgten mehrere Industrielle an der Spitze des Unternehmens, doch keinem gelang es, die Fabrik rentabel zu machen – bis auf Jean Gasser, der die Fabrik bis im März 1949 betrieb. Daraufhin wurde sie von der Gesellschaft IGA SA aufgekauft. Die Konzession zur Nutzung der Wasserkraft wurde ihr 1957 entzogen. Ende 1970er Jahre stellte die Fabrik den Betrieb schliesslich ein. Die Liegenschaft wurde von einem Garagenbesitzer übernommen, der sie in den 1990er Jahren abriss und durch ein neues Gebäude ersetzte.

Emma Chatelain, 12/05/2009
Übersetzung: Kiki Lutz, 9/03/2017

Bibliografie

Bernard Romy, Le Meunier, l’horloger et l’électricien. Les usiniers de la Suze, 1750-1950, Intervalles, Nr. 69-70, Herbst 2004, S. 130-137