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Zementfabrik Robert Vigier SA (1890), La Reuchenette

1871 gründete Robert Vigier in Luterbach (SO) die «Cementwerke Vigier AG» als erste Zementfabrik in der Schweiz. 1890 eröffnete die Firma eine Filiale in La Reuchenette, geleitet von Direktor Joseph Luterbacher, der bis zu seiner Pension im Jahr 1928 in dieser Position blieb.
Nach dem Tod des Gründers übernahm 1884 seine Witwe, Georgina Vigier-Kiefer, die Führung und gründete zusammen mit ihrem Vater und zwei Schwagern eine Aktiengesellschaft.
Ab 1892 übertraf die Produktionsmenge der Fabrik in La Reuchenette, diejenige von Luterbach bei weitem. 1897 wurde sie mit neuen, elektrisch betriebenen Maschinen ausgestattet. Die Energie stammte aus der Holzstofffabrik «Fabrique de pâte de bois  SA» in Frinvillier. Gleichzeitig schloss sich die Z. auch ans Stromnetz der Gemeinde Péry an und stattete ihre Werkstätten mit Elektrizität aus. Ab den 1930er Jahren konnte die Stromproduktion am Standort La Reuchenette dank dem Einsatz von neuen Turbinen und Generatoren fortgesetzt werden.  
Die Z. steigerte ihre Produktion in den Jahren 1898 bis 1912 von 25'000 auf 60'000 Tonnen Zement pro Jahr.
Der Erste Weltkrieg brachte einen starken Rückgang und die damalige «Ciments Vigier SA» schloss sich der Holderbank-Gruppe an, die in den 1920er Jahren zur bedeutendsten Zementproduzentin in der Schweiz anwuchs. 1932 schloss das Mutterhaus in Luterbach seine Tore.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte einen grossen Aufschwung. Unter der Leitung von Verwaltungsrat Robert Koch, dem Enkel des Firmengründers, konnte die Produktion weiter gesteigert werden. Im Jahr 1971 produzierte die Z. 650'000 Tonnen Zement, 1980 waren es schon 800'000.
1994 kaufte die Z. die gesamte Infrastruktur (mit Grundstück, Gebäude, Fabrik und Elektrizitätskraftwerk) der Holzstofffabrik «Rondchâtel SA», die sich damals im Besitz der «Biber Holding» befand. Die Holzstoffproduktion wurde durch den Verkauf nicht beeinträchtigt, da die «Rondchâtel SA» Mieterin der Liegenschaft wurde. 1995 ging sie in den Besitz der «Vigier Holding SA» über. Seit 2001 gehört diese zur französischen Vicat-Gruppe, ist aber weiterhin als unabhängiges Unternehmen auf dem Schweizer Markt tätig.

Die Fabrik in La Reuchenette war die letzte hydromechanische Anlage, die an der Schüss gebaut wurde. Seither bezogen alle neuen Fabriken ihre Energie von Anfang an aus dem Stromnetz.

Emma Chatelain, 21/04/2009
Übersetzung: Kiki Lutz, 3/11/2016

Archivbestände

Mémoire d’Ici, Saint-Imier, Dokumentation «Vigier SA»

Bibliografie

Bernard Romy, Le Meunier, l’horloger et l’électricien. Les usiniers de la Suze, 1750-1950, Intervalles, Nr. 69-70, Herbst 2004, S. 172-175

Link: http://www.vicem.ch/default.asp?lang=f