Das Parlament des Kantons Jura vertritt das Volk und übt die gesetzgebende Gewalt der Republik und des Kantons Jura aus. Es zählt sechzig Parlamentsmitglieder sowie Stellvertreter·innen, welche die Parlamentarier·nnen bei Bedarf in den Plenarsitzungen vertreten. Die Wahl der Parlamentarier·innen findet zum selben Zeitpunkt wie jene der Regierung statt. Die Amtsperiode dauerte ursprünglich vier Jahre, resp. 5 Jahre seit 2010 (Amtsperiode 2011-2015), mit der Möglichkeit der Wiederwahl für höchstens zwei aufeinanderfolgende Amtsperioden.
Aufgrund des Inkompatibilitätsgesetzes vom 29. April 1982 dürfen Mitglieder des Kantonsparlaments nicht gleichzeitig Mitglieder der eidgenössischen Räte sein. Ebenso ist eine ganze Reihe weiterer Personen von der Wahl ins Kantonsparlament ausgeschlossen: Richter·innen der Kantonsgerichte, Präsidenten·innen der Bezirksgerichte, Verwaltungsrichter·innen, der·die Präsident·in des Jugendgerichts, der·die kantonale Untersuchungsrichter·in, der·die Staatsanwalt·in und deren Stellvertreter·in sowie Beamte (ausser den Lehrern·innen). Am 15. Mai 2011 verfügte jedoch eine Abstimmung, dass Mitarbeiter·innen der jurassischen Verwaltung ab der Amtsperiode 2016-2020 ins Parlament gewählt werden dürfen.
Die Ratsmitglieder werden nach dem Proporz-Wahlsystem gewählt. Jeder Amtsbezirk stellt einen Wahlkreis, dem jeweils mindestens drei Sitze zustehen. Alle übrigen Sitze werden gemäss der Bevölkerungszahl zugeteilt. Der Sitz des Parlaments ist Delsberg.
Das Ratsbüro wird anlässlich der ersten Ratssitzung gewählt und besteht aus dem·der Präsident·e·i·n, den beiden Vizepräsident·inn·en (diese drei werden jeweils auf ein Jahr gewählt) und den Fraktionspräsident·inn·en. Es besitzt mehrere Kompetenzen, insbesondere die Festlegung der Sessionsdaten, -orte, und -traktandenlisten, die Zuordnung der Parlamentsvorlagen an die vorberatenden Kommissionen, die Festlegung der Anzahl der Mitglieder und der Mandate der Sonderkommissionen, die Ernennung der Sonderkommissionsmitglieder, sowie von deren Präsident·inn·en und Vizepräsident·inn·en; zudem kann das Ratsbüro Personen als Beobachter·innen zu den Ratssitzungen einladen, insbesondere Vertreter·innen aus den Amtsbezirken des Berner Jura.
Seit 1979 stellt die Christlichdemokratische Volkspartei CVP (Parti démocrate chrétien PDC) die meisten Sitze im Parlament, gefolgt von den Sozialdemokraten SP (Parti socialiste jurassien PSJ) und der FDP. Die Liberalen (Parti libéral-radical jurassien PLRJ). Die Parti chrétien-social indépendant PCSI (=Unabhängige Christlichsoziale Partei) und die jurassische Sektion der Partei der Arbeit PdA (Parti ouvrier populaire POP), sowie die Schweizerische Volkspartei SVP (Union démocratique du Centre UDC) sind ebenfalls seit der Gründung des Kantons Jura im Parlament vertreten. Die Entente libérale-radicale réformiste ELRR ist seit dem Jahr 1986 nicht mehr vertreten, der Combat socialiste CS hingegen ist erst seit 1982 dabei und arbeitete in der Folge weitgehend mit der PdA zusammen. 2006 gelang den Grünen (Les Verts) der Eintritt ins Kantonsparlament.
Bei den Wahlen 2010 wurde die bürgerliche Mehrheit mit einem Sitz Vorsprung (31 gegen 29 Sitze) bestätigt. Die FDP war mit 3 Sitzverlusten die grosse Verliererin dieser Wahlen, während die Grünen ihre Sitze von 2 auf 4 verdoppeln konnten.
Die Wahlen von 2015 brachten einen deutlichen Rechtsrutsch. Als grosse Gewinnerin ging die SVP daraus hervor: Sie konnte ihre Mandate von 4 auf 8 verdoppeln. Gleichzeitig gewann die FDP einen Sitz zurück und kam neu auf 9. Die CVP verlor 2 Sitze (neu 17) und die Linke insgesamt 3 (SP: -2/12, CS-POP: -1/2). Die Grünen und die PCSI blieben mit 4 bzw. 8 Sitzen gleich stark vertreten wie bisher.
Die Grünen waren die grossen Gewinner·innen der Wahlen von 2020 mit 3 Sitzgewinnen (7). Die grüne Welle brachte auch eine neue Partei ins Parlament, die Grünliberalen (Parti vert’libéral PVL) mit zwei Mandaten. Die SP gewann ebenfalls einen Sitz (+1/13) und die Verbindung CS-POP konnte ihre beiden Sitze halten. Die übrigen Parteien gehörten zu den Verlierern: CVP (-2/15), FDP (-1/8), PCSI (-2/6), SVP (-1/7).
Im Jahr 2025 waren die Wahlen durch die Teilnahme von Moutier geprägt, dessen Beitritt zum Kanton die Sitzverteilung nach Amtsbezirken neu gestaltete. Bei diesen Wahlen bestätigte sich die grüne Welle der vorherigen Legislaturperiode nicht. Die Grünen verzeichneten einen Rückgang (-3/4), während die Grünliberalen (PVL) aus dem Parlament ausschieden (-2/0). Auch die FDP (-2/6) und die PCSI (-1/5) verloren Sitze, während Die Mitte (+2/17), die SP (+3/16) und die SVP (+4/11) Sitze hinzugewannen.
Für eine Liste aller jurassischen Parlamentsmitglieder seit 1979 s. Artikel: "Mitglieder des Parlaments des Kantons Jura"
Präsident·inn·en des jurassischen Kantonsparlaments
- 1979: Béguelin Roland, Journalist, Delsberg, SP
- 1980: Cattin André, Anwalt und Notar, Saignelégier, CVP
- 1981: Hoffmeyer Auguste, Handelsvertreter, Bassecourt, PCSI
- 1982: Charmillot Liliane, Kauffrau, Vicques, CVP
- 1983: Varrin Bernard, Prokurist, Alle, SP
- 1984: Wernli Jean-Louis, Notar und lic. rer. pol., Delsberg, ELRR
- 1985: Oeuvray Martin, Landwirt, Chevenez, CVP
- 1986: Ory Jean-Marie, Handelsschullehrer, Delsberg, PCSI
- 1987: Roth Jean-François, Anwalt, Courtételle, CVP
- 1988: Hêche Claude, Tiefbauzeichner, Courroux, SP
- 1989: Conti Jean-Michel, Anwalt, Porrentruy, FDP
- 1990: Jolidon Mathilde, Landwirtin, Le Prédame, CVP
- 1991: Frésard Marcel, Abteilungsleiter PTT, Delsberg, PCSI
- 1992: Bourquard Edmond, Primarlehrer, Delsberg, FDP
- 1993: Cerf Michel, Sonderschullehrer, Courgenay, CVP
- 1994: Schlüchter Claude, Hochbauzeichner, Delsberg, SP
- 1995: Kohler Jean-François, Notar, Courgenay, FDP
- 1996: Ackermann Hubert, Primarlehrer, Pleigne, CVP
- 1997: Laville Claude, Berufsschullehrer, Rocourt, PCSI
- 1998: Henzelin André, Bankdirektor, Delsberg, FDP
- 1999: Froidevaux Charles, Primarlehrer, Rocourt, CVP
- 2000: Baume-Schneider Elisabeth, Sozialarbeiterin, Les Breuleux, SP
- 2001: Hubleur Marcel, ehem. Bankdirektor, Pruntrut, FDP
- 2002: Theurillat Vincent, Betriebsleiter, Courroux, PCSI
- 2003: Amgwerd Madeleine, Theologin, Delsberg, CVP
- 2004: Comte Pierre-André, Primarlehrer, Vellerat, SP
- 2005: Schweingruber Alain, Anwalt, Delsberg, FDP
- 2006: Juillard Charles, Direktor Sozialversicherung, Pruntrut, CVP
- 2007: Barthoulot Nathalie, Direktionsassistentin, Courtételle, SP
- 2008: Boillat François-Xavier, Versicherungsverantwortlicher der ECA (Gebäude), Saignelégier, CVP
- 2009: Wermeille Vincent, Berufsberater (Wiedereingliederung) und unabhängiger Landwirt, PCSI
- 2010: Juillard Michel, Biologe, Gymnasiallehrer, FDP
- 2011: Burri André, Anwalt und Direktor von CarPostal, Delsberg, CVP
- 2012: Juillerat Corinne, Sozialarbeiterin, Pruntrut, SP
- 2013: Lachat Alain, Bauleiter, Fregiécourt, FDP
- 2014: Willemin Gabriel, Lehrer, Epauvillers, CVP
- 2015: Gentil Jean-Yves, Delsberg, SP
- 2016: Roy-Fridez Anne, Pruntrut, CVP
- 2017: Lovis Frédéric, Boécourt, PCSI
- 2018: Froidevaux Anne, HR-Assistentin, Châtillon, CVP
- 2019: Voirol Gabriel, Apotheker, Pruntrut, FDP
- 2020: Dobler Eric, Versicherungsexperte, Bassecourt, CVP
- 2021: Lehmann Katia, Osteopathin, Villars-sur-Fontenais, SP
- 2022: Favre Brigitte, Landwirtin, Saignelégier, UDC
- 2023: Brahier Amélie, Notarin, Les Enfers, Le Centre
- 2024: Godat Pauline, Psychologin, Le Bémont, Vert·e·s
- 2025: Rufer Yann, Bankangestellter und Direktor des SRK JU, Rossemaison, PLR
- 2026: Macquat Fabrice, Leiter der Übergangsausbildungen an der Division artisanale des CEJEF, Courroux, PS
Sitzverteilung in den Legislaturperioden 2026-2030 / 2021-2025 / 2016-2010 / 2011-2015 / 2007-2010 / 2003-2006 / 1999-2002
- Christlichdemokratische Volkspartei CVP (Parti démocrate chrétien PDC) ; Die Mitte (Le Centre): 17 / 15 / 17 / 19 / 19 / 20 / 19
- Sozialdemokratische Partei SP (Parti socialiste PS): 16 / 13 / 12 / 14 / 13 / 15 / 15
- FDP. Die Liberalen (Parti libéral-radical PLR): 6 / 8 / 9 / 8 / 11 / 12 / 14
- Parti chrétien-social indépendant (PCSI): 5 / 6 / 8 / 8 / 9 / 8 / 8
- Combat socialiste CS und Partei der Arbeit PdA (Parti ouvrier populaire POP): 1 / 2 / 2 / 3 / 3 / 3 / 3
- Schweizerische Volkspartei SVP (Union démocratique du Centre UDC): 11 / 7 / 8 / 4 / 3 / 2 /1
- Die Grünen (Les Verts): 4 / 7 / 4 / 4 / 2 / 0 / 0
- Grünliberale (Les vert’liberaux PVL): 0 / 2 / 0 / 0 / 0 / 0 / 0
Autor*in der ersten Version: Emma Chatelain, 15/03/2006
Letzte Änderung: 24/10/2026
Übersetzung: Kiki Lutz, 29/09/2021
Bibliografie
Fachliteratur
- Ernest Weibel, Institutions politiques romandes, Fribourg, 1990, S. 121-124.
Presse
- Le Quotidien Jurassien, 16. Mai 2011.
- La Liberté, 16. Mai 2011.
Websites
- jura.ch, o.D. (14. Januar 2016 ; 5. Januar 2017 ; 13. März 2021 ; 8. Juli 2021 ; 24. Oktober 2026).
- rfj.ch, 20. Dezember 2013 (2021) ; 19. Dezember 2014 (2021) ; 19. Oktober 2020 (2021) ; 11. November 2025 (24. Oktober 2026) ; o.D. (24. Oktober 2026).
Andere
- Art. 65 der Jurassischen Kantonsverfassung.
- Hinweise erhalten vom Sekretariat des Parlaments (2006).
Zitiervorschlag
Emma Chatelain, «Parlament des Kantons Jura», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), übersetzt aus dem Französischen von Kiki Lutz, https://www.diju.ch/d/notices/detail/4060-parlament-des-kantons-jura, Stand: 28/10/2026.

