St. Nikolaus-Kirche, Dittingen

Geschichte der Pfarrei: Während der Reformation nahm Dittingen vorübergehend den neuen Glauben an – allerdings erst nach einigem Widerstand. Um 1525 zogen zunächst noch die durch Bauernstürme vertriebenen Nonnen aus dem Kloster Engenthal (bei Muttenz, BL) nach Dittingen. Um 1528 schloss sich das bis dahin in Laufen pfarrgenössige Dorf mit Blauen und Zwingen zusammen und erbat vom Bischof die Wiederherstellung der alten Ordnung. Im selben Jahr stellte sich ein katholischer Pfarrer in Dittingen vor, doch er lehnte die Stellung aufgrund der engen Behausung im Pfarrhaus schliesslich ab. Ab 1536 ergriff die Pfarrei Laufen vermehrt Massnahmen, um den neuen Glauben auch in jenen Gemeinden durchzusetzen, wo grosse Teile der Bevölkerung katholisch geblieben waren und/oder ihre Rituale teilweise auswärts weiterführten. In der Folge wurden auch in Dittingen protestantische Gottesdienste eingeführt.
Im Zuge der Rekatholisierung des Laufentals um 1588/1589 traten auch die Dittinger wieder zum Katholizismus über. Der alte, in Kisten verpackte Kirchenschmuck wurde hervorgeholt und wieder in der Kirche eingesetzt.
Nach den Verwüstungen des Dreissigjährigen Kriegs blieb die wachsende Gemeinde im 17. und 18 Jh. weiterhin in Laufen pfarrgenössig. Ab 1792 führte sie jedoch ein eigenes Taufregister.
Unter französischer Herrschaft (ab 1792) hatten die Pfarrer einen Eid auf die Verfassung zu leisten, worauf der Pfarrer von Laufen emigrierte. An seiner Stelle kam Urs Joseph Bobst, Pfarrer aus Oensingen (SO), ins Dorf und las am 26. April 1795 seine erste Messe. Bobst war damals noch von der Eidespflicht entbunden, weil er aus dem Gebiet der Schweiz stammte. Er nahm auf Bitten der Gemeinde schliesslich als erster Dittinger Pfarrer Wohnsitz im Dorf. In der Folge des Kirchenkonkordats zwischen Papst Pius VII und Napoleon von 1802 organisierte Bischof Saurine von Strassburg die gesamte Diözese neu und richtete in zahlreichen jurassischen Gemeinden neue selbstständige Pfarreien ein. Diese Änderungen betrafen auch Dittingen, das zwischen dem 27. April 1803 und dem 7. Mai 1804 von Laufen losgelöst und als sog. Hilfspfarrei («succursale») eingerichtet wurde.
Auch unter Berner Herrschaft (ab 1815) blieb die Eigenständigkeit der Pfarrei zunächst für lange Zeit bestehen. Im Kulturkampf gehörte der Dittinger Pfarrer Karl-Joseph Schlumpf zu den Mitunterzeichnern des Protests der jurassischen Geistlichen gegen die Absetzung von Bischof Lachat und wurde daher 1873 seines Amtes enthoben. Nun wurden die Pfarreien Dittingen und Blauen zusammengelegt und bis 1880 von einem sog. Staatspfarrer betreut. Die beiden Gemeinden blieben auch nach dem Kulturkampf bis 1943 vereint, erhielten aber ab 1881 wieder einen römisch-katholischen Pfarrer.
In den frühen 1920er-Jahren brannte das Dittinger Pfarrhaus ab, wobei alle das gesamte Pfarreiarchiv zerstört wurde.
Seit 1998 hat Dittingen keinen eigenen Seelsorger mehr und seit 1999 gehört es zum Seelsorgeverband Zwingen-Dittingen-Blauen-Nenzlingen.

Für eine vollständige Liste der Dittinger Pfarrer (bis 1986) s. Artikel: Dittingen, Pfarrer (römisch-katholische Kirche)

Kiki Lutz, 30/01/2013

Bibliografie

Hanni Asprion, «Kirche und Religion», in Heimatkunde Dittingen, Dittingen 2005, S. 198-202
Christina Borer-Hueber, «Jubiläen», in Laufentaler Jahrbuch Nr. 22, 2007, S. 108-114
Andreas Cueni, Giuseppe Gerster, Markus Jermann, René Salathé, «Kultur- und Baudenkmäler im Laufental», in Das Schöne Baselbiet, Heft 15, 1994, S. 19
Daniel Hagmann, «Dittingen», in Historisches Lexikon der Schweiz [Online-Version], Stand vom 16.12.2012
Paul Lachat, Geschichte der Pfarrei Dittingen, Laufen 1970
Nordschweiz Almanach Nr. 2, 1955, S. 30-32
J. Emil Nünlist und A. Membrez, Katholische Kirchen des Bistums Basel. Kanton Bern, Olten 1938, S. 47-48
Jean-Paul Pellanton et al., Vitraux du Jura: ouvrage publié à l'occasion du centenaire de Pro Jura 1903-2003, Moutier 2003, S. 252-270
Jean-Pierre Renard, Le clergé paroissial dans les arrondissements de Delémont et de Porrentruy avant et après la réorganisation de 1802-1804, Saignelégier, 2009
Seelsorgeverband Zwingen-Dittingen-Blauen-Nenzlingen, Website (Stand: 5. Dezember 2012)