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Rassemblement jurassien (RJ)

Am 30. November 1947, zwei Monate nach der Moeckli-Affäre, wurde das Mouvement séparatiste jurassien MSJ (Jurassische separatistische Bewegung) gegründet und stellte somit öffentlich die Jurafrage. Nach dem Misserfolg des vom Komitee von Moutier propagierten Autonomismus, verstärkte das Mouvement séparatiste seine Tätigkeit. Im September 1951 kam es zum Namenswechsel: Die Bewegung nannte sich fortan Rassemblement jurassien RJ (=Jurassische Sammlung) um die Deutschschweiz nicht zu brüskieren und um seine Kampfziele auf eine Ebene ausserhalb der Parteipolitik und der konfessionellen Unterschiede zu stellen. In den 50er-Jahren führte das RJ eine entschlossene, wenn auch wenig aggressive Propagandakampagne, die insbesondere auf die stark regionalistische Einstellung seiner Aktivmitglieder hinwies und auf die Gründung eines neuen Kantons im Rahmen des eidgenössischen Föderalismus hin drängte. Das RJ bot als Experten Historiker und Juristen auf, um die Gangbarkeit dieses Vorhabens zu belegen und lancierte 1957 eine kantonale Volksinitiative, die einen Gesetzesentwurf über die Durchführung einer Volksbefragung in den sieben jurassischen Wahlkreisen vorschlug. Die Ablehnung der Initiative durch sowohl die bernischen als auch die jurassischen Stimmbürger führte 1959 zu einem Stillstand der Aktivitäten des RJ. Sein Wiedererwachen war vor allem auf den Einsatz von Roland Béguelin zurückzuführen, dessen Machtfülle als Generalsekretär zeitweise umstritten war. Seine Strategie sah eine Neudefinition des jurassischen Volkes nach ethno-linguistischen Kriterien vor und zielte darauf ab, einen politischen Notstand herbeizuführen, indem der Konflikt auf die internationale Ebene ausgedehnt wurde. Das RJ bemühte sich auch um Verankerung in den gesellschaftlichen Strukturen des Juras, indem es die Zahl seiner Aktionsgruppen erhöhte und die Jugendgruppe « Le Bélier » (1963) sowie die Studenten (1964), die Frauen (1963) und die auswärtigen Jurassier (1962) organisierte. Diese breit gefächerte Mobilisierung verlieh dem Separatismus eine rebellische Note, getragen von einer neuen Generation, welche zunehmend pazifistische, antimilitaristische und soziale Werte vertrat. Nachdem es gelungen war, die Eidgenossenschaft zu einem Mediationsvorschlag zu bewegen, beschritt das RJ beharrlich aber nicht ohne Rückschritte den Weg der Volksbegehren zugunsten der Selbstbestimmung, was durch den Zusatzartikel zur Staatsverfassung zur Durchführung von separaten Abstimmungen im jurassischen Kantonsteil vom März 1970 ermöglicht wurde. Das positive Abstimmungsresultat für eine neue Kantonsgründung vom 23. Juni 1974 war klar dem RJ zu verdanken, das jedoch der darauf folgenden Teilung des Juras machtlos gegenüber stand. Seither führt das RJ den Kampf für eine Wiedervereinigung sowohl im Innern des neuen Kantons, den es mit abnehmendem Erfolg als « Etat de combat » (= kämpferischer Staat) zu etablieren versucht, wie auch ausserhalb in Zusammenarbeit mit den Separatisten des Berner Juras. Letztere vereinigten sich 1976 in der Organisation Unité jurassienne und schlossen sich am 20. März 1994, ein Jahr nach dem Tod von Roland Béguelin, mit dem RJ zum Mouvement autonomiste jurassien MAJ zusammen. Seither kommt dem MAJ trotz der Alterung seiner Mitglieder und einer Einbusse an Einfluss immer noch die Rolle einer politischen Gruppe zu, die politischen Druck ausüben kann.

Claude Hauser, 1/09/2006
Übersetzung: Kiki Lutz, 4/05/2010
Letzte Aktualisierung: 23/10/2014

Bibliografie

Marcel Bréchet, Les années de braise, Delémont, 2003


Claude Hauser, L’aventure du Jura, Lausanne, 2004


Hans Peter Henecka, Die jurassischen Separatisten, Meisenheim, 1972


Alain Pichard, La Question jurassienne, Lausanne, 2004


Informationen von Irma Hirschi, Sekretariat des MAJ.